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UEFA EURO 2008 - Producer - Blog 2

Datum:
17.04.2008
Über Regen, Matsch, neue Stadien und Trainer von von Simon Humber, Line Producer. Wie Gary schon im ersten Teil des Blogs erklärt hat, unterscheidet sich das Gameplay deutlich von FIFA 08. Die meisten Leute bei uns im Büro spielen jetzt viel lieber EURO, weil das Spiel durch das schnellere Tempo an Spannung und Abwechslung gewinnt. Man kann auch einfacher Tore schießen als in FIFA 08, obwohl ich auch öfters mal ein 0:0 zwischen vielen 3:2-Thrillern hatte.

Aber eine der Neuerungen am Gameplay, die ich am besten finde, ist eine, die eigentlich gar nicht direkt mit dem Gameplay zu tun hat. Und zwar ist es der Regen. Ja, wir haben es endlich geschafft, Regen in die Engine einzubauen, woraus oft richtig gute, klassische Partien resultieren.

Der Regen ist also nicht bloß kosmetischer Natur, er wirkt sich nämlich stark darauf aus, wie der Ball auf den Platz reagiert und wie sich auch die Spieler steuern lassen. Wird der Platz vor der Partie geladen, werden verschiedene Bedingungen auf einzelne Bereiche des Platzes abgebildet, von normal, nass und aufgeweicht bis hin zu Matschpfützen. Bewegt sich der Ball über den Platz, wird sein Abspringverhalten und Tempo vom jeweiligen Bereich, auf dem er sich befindet, beeinflusst. Manchmal trifft also ein Pass einen durchweichten Bereich und wird stark abgebremst, bevor er die eigentliche Anspielstation erreicht. In anderen Situationen rutscht der Ball stärker über den Rasen, als er es auf einem trockenen Platz tun würde.

Es gibt verschiedene Intensitäten von Regen und verschiedene Regenbedingungen für den Platz. Manchmal nieselt es nur ein bisschen, was man auf dem Platz kaum bemerkt. Ein anderes Mal gibt es einen Wolkenbruch und der Platz wird an manchen Stellen so aufgeweicht, dass der Ball sofort gestoppt wird. Außerdem spritzt Wasser hoch und der Spieler interagiert richtig mit der Platzoberfläche.

Ich persönlich spiele am liebsten auf einem matschigen Platz. Irgendwie passt es zu meiner Spielweise. Ich glaube, ich kann besser grätschen als viele andere, und deshalb kommt es mir entgegen, dass man im Nassen besonders weit rutscht. Und dass ich nicht besonders gut im Umgang mit Skill-Moves bin, ist natürlich auch weniger ein Problem, wenn der Platz eine einzige Matschpfütze ist. Ich bin immer enttäuscht, wenn ich auf einem trockenen Platz spielen muss. Bei diesen Bedingungen scheine ich irgendwie nie zu gewinnen.

Einmal hatte ich im Nassen richtiges Pech. Bei einem Schuss aufs freie Tor blieb der Ball einfach vor der Linie regelrecht stecken, sodass ein Verteidiger ihn doch noch klären konnte. Da war ich natürlich total frustriert, aber auf der anderen Seite begeistert, dass durch dieses Feature so coole Details möglich sind.

EURO ist perfekt geeignet, um Regen in das Spiel einzuführen. Unser Ziel war der Kontrast zwischen den düsteren, kalten, nassen Qualifikationsspielen im Winter und den schönen warmen Sommerabenden der Endrunde. Um davon eine bessere Vorstellung zu bekommen, sind wir letzten Juni zu einigen EURO-Qualifikationsspielen gefahren. Angefangen haben wir auf den Färöer-Inseln, die gegen Italien antraten und wahrscheinlich ihr größtes Spiel aller Zeiten ablieferten. Es war ein fantastisches Erlebnis. In dieser Jahreszeit wird es nicht richtig dunkel und es war halbwegs warm. Zumindest bis eine Stunde vor dem Spiel. Dann öffnete der Himmel seine Schleusen, die Temperatur sank und das Spiel fand im strömenden Regen statt, während wir auf der nicht überdachten Tribüne vor uns hin froren. Danach fuhren wir nach Deutschland und führten uns ein Freundschaftsspiel zwischen der Türkei und Brasilien zu Gemüte, das in einem Pfeifkonzert endete, über das ich später noch berichten werde. Zu guter Letzt machten wir uns auf den Weg nach Kroatien, wo wir die enthusiastischen kroatischen Fans bei einem osteuropäischen Duell gegen Russland sehen und hören konnten. Auf dieser Reise sammelten wir eine Menge Referenzmaterial, mit dessen Hilfe wir sehr unterschiedliche Spielumgebungen erstellen konnten.

Bei den Stadien, die im Spiel vorkommen, wollten wir einen anderen Ansatz verfolgen als in FIFA. Da das Turnier in Österreich und der Schweiz stattfindet, mussten wir natürlich acht neue Stadien bauen. Diese Stadien sind momentan noch nicht sehr bekannt. Das bedeutet, dass unsere Gamer eine Menge Neues zu sehen bekommen. Für die Qualifikationsspiele brauchen wir nur wenige der Plätze, die in FIFA vorkommen, weil jedes Land nur ein Stadion für seine Heimspiele braucht. Stattdessen verwendeten wir unsere Ressourcen darauf, Stadien und Umgebungen zu erstellen, die der großen Vielfalt der 50 Nationen der EURO entsprechen. Wenn man also auswärts auf den Färöer-Inseln spielt, bekommt man das kleine Stadion mit den Hügeln im Hintergrund. In Osteuropa sind viele alte Stadien aus Beton zu sehen oder vielleicht ein altertümlicher Platz mit den historischen Gebäuden der Altstadt im Hintergrund. Und dann noch für jeden Platz verschiedenes Wetter und verschiedene Platzbedingungen - da hat man das Gefühl, bei jedem Spiel etwas Neues zu sehen.

Um schließlich das Gefühl besser rüberzubringen, als Nationalmannschaft am Turnier teilzunehmen, haben wir die jeweiligen Trainer ins Spiel eingefügt, soweit das unsere Lizenzen zuließen. Bei jedem EURO- oder World-Cup-Spiel gibt es immer viele Aufnahmen von den Trainern zu sehen, die gestikulierend am Spielfeldrand stehen. Deshalb wollten wir diese wichtigen Jungs unbedingt auch im Spiel haben. Wer also gerne Joachim Löw, Luiz Felipe Scolari, Raymond Domenech, Luis Aragonés und Roberto Donadoni sieht, für den ist EURO das richtige Spiel. Was die Trainer angeht, die bereits nicht mehr amtieren, wie McLeish und McClaren, da werdet ihr euch noch gedulden müssen, ob sie im Spiel vorkommen oder nicht …

 

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